Ein kurioser Entschied über Sein oder Nichtsein spielte sich am Sonntag in der Schach-NRW-Klasse ab: In Krefeld mussten sich die jeweiligen Tabellenachten der beiden Gruppen der zweithöchsten nordrheinwestfälischen Liga im Schach, Königsspringer Hagen und Turm Krefeld, einem Stichkampf um den Klassenerhalt stellen. Nach einem 6 Stunden lang hart umkämpften 4:4 sowie ebenfalls unentschiedenem Ausgang des Vergleichs der Ranghöhe der Bretter, an denen die Teams volle Punkte erzielen konnten ("Berliner Wertung"), musste eine vom Schiedsrichter geworfene Münze entscheiden. Anders als bei einem Stichkampf-Aus in der NRW-Klasse 2004 schafften die Hagener Königsspringer mit Fortunas Hilfe tatsächlich das "Wunder von Krefeld" und können nun gelassen die nächste Saison planen.
Obwohl von der Papierform her alles für die Königsspringer sprach, taten sich die Hagener von Anfang an schwer gegen die kämpferischen Krefelder, wobei der Auftakt ungewöhnlich friedlich für einen Stichkampf um "alles oder nichts" verlief: Bereits nach gut einer Stunde steuerte Fide-Meister Helge Hintze gegen seinen nominell wesentlich weniger spielstarken Kontrahenten am Spitzenbrett nach ausgeglichener Eröffnung in den Remishafen, und auch Michael Bornemann (Brett 5) kam einige Zeit später trotz vorteilhafter Position nicht über eine Punkteteilung hinaus. Kurz vor der Zeitkontrolle nach knapp vier Stunden remisierte auch Peter Osthoff (2), dem es in sehr eingeengter Stellung gelungen war, ein fast uneinnehmbares Bauernbollwerk zu errichten. Bertram Kind (4) konnte im wichtigsten Match der Spielzeit nicht an seine fast makellose Saisonleistung anknüpfen und unterlag in einer spannenden Partie nach nicht zu kompensierendem Bauernverlust, während Holger Bubolz (3) nach einer nervenaufreibenden Zeitnotschlacht eine remisverdächtige Stellung noch in ein gewonnenes Endspiel verwandelte.
Damit war 30 Minuten vor Ende der maximalen sechsstündigen Spielzeit beim Stande von 2,5:2,5 immer noch alles offen. Als auch Routinier Peter Pinnel (8) nach einer "Schlingerpartie" mit wechselnden Chancen nur einen halben Punkt verbuchen konnte, blieb es Achim Tymura (7) überlassen, zwei Mehrbauern zu einem jederzeit ungefährdeten Sieg zu führen und die Königsspringer kurz vor Schluss erstmals in Führung zu bringen. Damit hätte Uwe Liley (6) ein halber Punkt zur Entscheidung genügt; doch sein nervenstarker Gegner konnte zwei verbundene Freibauern schließlich trotz größter Zeitnot durch ein sehenswertes Materialopfer ins Ziel bringen und mit seinem Partiegewinn das 4:4-Mannschaftsremis sichern. Dies bedeutete auch Gleichstand nach Berliner Wertung.
Nun folgte der entscheidende Münzwurf von dem durch den Spielleiter dazu autorisierten Schiedsrichter. Ein Zwei-Euro-Stück sollte es sein. Der Mannschaftsführer der Krefelder wählte Zahl. Wir hatten damit den "Königs"-Adler. Und der sollte auch für uns die Entscheidung bringen.
Die Freude war damit bei uns groß. Den deutlich über Erwartung spielenden Krefelder bleibt damit der ganz große Erfolg vergönnt. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg in der kommenden Saison.
Wir sind aber auch froh, dass wir etwas für unseren Verband tun konnten. Um den freien Platz in der Verbandliga spielen nun EN-Süd und Weidenau. Den Leckerbissen sollten wir uns nicht entgehen lassen.
Ulrich Schröder / Helge Hintze